Prinzess.chen
Sanft berührte sie die weichen Nackenhaare ihres Mannes, der friedlich neben ihr lag. Er brummte zufrieden im Schlaf. Als sie ihren Kopf auf seine Brust legte, versank ihr Gesicht in der dichten Behaarung. Ein großer, gelber Mond schien ihrem Ehemann ins Gesicht und ließ seine Zähne, die teilweise aus dem Mund herausragten, weiß aufleuchten. Doch auch die rostfarbenen Flecken darauf - das getrocknete Blut der lebenden Hühner, mit denen sie ihn nach Sonnenuntergang gefüttert hatte - wirkten in diesem Licht nicht unheimlich auf sie.
Im Gegenteil, Lena genoss die Vollmondnächte, in denen ihr sonst so biederer Gatte zum wilden Tier wurde. Sie wurde vom muskulösen Körper und dem glänzenden braunen Fell des Werwolfs angezogen und freute sich Monat für Monat auf jede Berührung seiner großen Pranken, die mit den Krallen zwar gefährlich, aber zugleich unendlich gefühlvoll waren. Schon die Hochzeitsnacht, die Lena nur deswegen auf einen Vollmond-Termin gelegt hatte, war großartig gewesen. Solange sie Sam kurz nach der Verwandlung fütterte, konnte Lena nichts passieren. Wenn er satt war, wurde er zum großen, lebendigen Kuscheltier. Nur schade, dass Sam sich am Morgen danach an nichts mehr erinnern konnte und keine Ahnung von seinem Doppelleben hatte.
Sam drehte sich um, öffnete die Raubtieraugen und sah seine Frau an. Behutsam legte er ihr eine Pfote um die Hüfte und schleckte ihr mit seiner rauen Zunge über das Gesicht - der Kuss eines Wolfes. Sein tierischer Instinkt sagte ihm, dass ihm dieser Mensch nichts antun würde. Er bekam seit Jahren Nahrung von ihr. Hühner, Kaninchen, Ratten. Was immer sie für ihn auftreiben konnte. Sie sorgte dafür, dass er zufrieden war und wenn er zufrieden war, war er glücklich. Er vermisste den Wald und sein Rudel nicht, denn bei der Menschenfrau fühlte er sich wohl.
Die Sonne kitzelte Lena am nächsten Morgen wach. Sam war bereits aufgestanden und lief schon in aller Frühe hektisch mit dem Handy am Ohr durch die Wohnung um geschäftliche Termine zu bestätigen. Lena sah ihn abfällig an. Da war er wieder, der Langweiler, der Spießer, der Mann, dem seine Arbeit wichtiger war als die Familie. Nach dem Frühstück, als Sam schon längst im Büro war, warf sie einen Blick in ihren Terminkalender. Der nächste Vollmond war am 15. Juli. Vier Wochen Wartezeit, bis sie das Wesen, das sie liebte wiedersehen konnte. Schon jetzt sehnte sie sich nach der Wärme seines Pelzes, der Geborgenheit und der Sicherheit, die sie in seiner Nähe verspürte. Den gefühlskalten Geschäftsmann, den sie einst geheiratet hatte, hasste sie inzwischen. Könnte doch das zweite Ich ihres Mannes immer bei ihr sein. Lena setzte sich an den PC und surfte im Internet. Die Suche nach einer Lösung blieb erfolglos.
Werwölfe galten auf allen Web-Sites, die sie zu dem Thema finden konnten, als Fabeltiere. Wenn Sam ihr doch als Mann nur einen Bruchteil der Zärtlichkeit und Zuneigung entgegenbringen würde, die er ihr als Wolf gab. Der alte Aberglaube vom "bösen Wolf", wie er in vielen Geschichten geschürt wurde, machte Lena oft wütend. Wölfe konnten sehr liebevoll sein und waren sehr soziale Tiere.
Lena fasste einen Entschluss. Sie würde Sam von den leidenschaftlichen Vollmondnächten erzählen, in der Hoffnung, dass sich dadurch auch seine Persönlichkeit als Mensch wandeln würde. Je näher der Abend rückte, umso nervöser wurde sie. "Bitte mache heute keine Überstunden, Sam", dachte sie. Endlich wurde die Wohnungstür aufgeschlossen und Sam kam nach Hause. Wie gewohnt begrüßte er seine Frau mit einem flüchtigen "Hallo", griff sich die Tageszeitung und setzt sich in einen Sessel.
"Ich muss mit dir reden, Sam"
"Jetzt? Ich hatte einen anstrengenden Tag. Die Aktienkurse fallen ins Bodenlose und..."
"Sam, bitte! Ich kann nicht länger schweigen."
Etwas Unverständliches murmelnd legte er die Zeitung weg.
"Also?", fragte er.
Zögernd begann Lena zu erzählen. Sam beobachtete sie mit großen Augen und schüttelte genervt den Kopf.
"Ich ein Werwolf? Drehst du jetzt total durch Lena? Was soll der Unsinn?"
"Was meinst du denn, warum du so ein erfolgreicher Geschäftsmann bist?"
"Ich habe halt ein Gespür für gute Geschäfte. Ich wittere es, wenn sich eine Sache lohnt."
"Siehst du? Du redest von dir, als seiest du ein Tier! Du hast ein Tier in dir Sam! Bei Vollmond bist du mein gefühlvoller Beschützer."
"Du bist wahnsinnig! Ich kann mir nicht erklären, was in dich gefahren ist, aber du solltest professionelle Hilfe aufsuchen, sonst landest du noch im Irrenhaus."
Lena brach in Tränen aus. Sie fühlte sich völlig hilflos. Sie liebte den Wolf in ihm, aber den bekam sie nur einmal im Monat zu sehen. Sie konnte sich scheiden lassen, doch dann verlor sie auch den geliebten Wolf. In ihrer Verzweiflung fasste sie einen Entschluss.
Der Abend des 15. Juli war da. Sie hatte nichts eingekauft, weder Nahrung für sich noch für den Werwolf, zu dem ihr Mann sehr bald mutieren würde. Es war Sonntag, die Läden hatten geschlossen und es gab keine Möglichkeit mehr, etwas einzukaufen. Schon bei den ersten Anzeichen der beginnenden Verwandlung hatte sie Sam, anders als sonst, angekettet. Sie hatte darauf geachtet, dass die Glieder der Kette nicht zu stark waren, aber fest genug, um die Bestie eine Zeit lang aufzuhalten. Mit dem aufgehenden Mond verschwand der verhasste Ehemann und "ihr" Sam, der Sam den sie über alles liebte, kam zum Vorschein. Er knurrte und fletschte die Zähne. Der Geifer lief ihm aus dem Maul in Erwartung eines Beutetieres. Doch da war nur Lena. Warum stand sie nur da und starrte ihn an? Warum gab sie ihm nicht Nahrung wie sonst auch? Seine Gier nach Fleisch wurde unerträglich groß. Er zerrte an den Ketten und sie begannen nachzugeben. Lena wich ein wenig zurück. Nun hatte sie doch ein wenig Angst vor dem, wonach sie sich schon lange gesehnt hatte. Der Wolf schlug mit einer Pranke nach ihr und verfehlte sie nur knapp. Erneut zog das gewaltige Tier an seinen Fesseln, um sie letztendlich zu sprengen. Sam machte einen Satz auf Lena zu und seine grünen Augen funkelten sie böse an. "Warum fütterst du mich nicht?", schienen sie zu fragen. Im Kopf des Werwolfs gerieten die Gedanken durcheinander. Die Frau vor ihm roch wie der Mensch, dem er vertraut hatte, aber nun war er angekettet worden und musste Hunger leiden. Der Zorn erwachte in ihm und das Raubtier war stärker als die Gefühle zu diesem Menschen. Er biss zu...
Lena fühlte sich schwach, als sie erwachte. Die Sonne stand über ihr und der Waldboden roch nach Moos und Erde. Waldboden? Wie war sie hierher gekommen? Sie spürte einen warmen, vertrauten Körper neben sich. Sam! Er hatte sich nicht zurückverwandelt. Er war ein Wolf geblieben und hatte sich eng an sie geschmiegt. Nun stand er auf und stieß sie mit seiner Schnauze an. "Komm mit! Die anderen warten auf uns." Lena richtete sich auf. Erst jetzt bemerkte sie, dass auch sie Tiergestalt besaß. Ihr Fell war schneeweiß und samtweich. Sams Biss hatte dafür gesorgt, dass sie ein Wolf wurde wie er. Gemeinsam folgten sie den Spuren der anderen Wölfe und beantworteten deren Geheul. Sam, der Fürst des Wolfrudels, hatte nun eine Gefährtin gefunden und konnte mit ihr für immer dorthin gehen, wohin er gehörte. So liefen sie zu zweit einem neuen Leben entgegen.

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